

„The Weekend Away“, der neue Thriller mit Leighton Meester in der Hauptrolle, befindet sich den zweiten Tag in Folge in den Top Ten der meistgespielten Filme auf dem polnischen Netflix (heute steht er auf Platz 1). Es scheint, dass das Phänomen dieser Produktion alle Erwartungen der Macher übertroffen hat: In den ersten drei Tagen nach seiner Veröffentlichung wurde „Leaving…“ insgesamt 44,5 Millionen Stunden angeschaut, was in Bezug auf die Popularität nur von „The Tinder Cheat“ übertroffen wird (fast 46 Millionen Stunden).
Solche Ergebnisse mögen überraschen, denn „The Weekend Away“ ist ein unprätentiöser und trivialer, um nicht zu sagen trivialer Film – aber manchmal will man ja mit solchem ‚Sonntagskino‘ seine Gedanken abschalten. Meester, diesmal in einer weit weniger glamourösen Ausgabe als die, die wir aus ‚Gossip Girl‘ kennen, spielt hier Beth, eine frisch verheiratete Mutter, die eine Freundin aus dem College in Kroatien besucht. Die beiden Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein: Beth ist eine verantwortungsbewusste, hartgesottene Introvertierte, während Kate (Christina Wolfe) im Gegensatz dazu hemmungslos feiert und mit männlichen Begleitern abhängt. Ihr Kopf ist frei von Sorgen – zumindest so lange, bis sie sich zur falschen Zeit am falschen Ort befindet.
Kate lädt Beth zu einer Alkoholikerparty ein, wo sie versucht, sie mit einem attraktiven Escort-Freund zu verkuppeln. Sie weiß, dass ihre Freundin einen Mann und ein Kind hat, aber das ist ihr egal. Trotz der verstrichenen Jahre versucht sie, die Zeit anzuhalten: Verzweifelt klammert sie sich an die letzten Atemzüge der Jugend und will die alten Welpenabenteuer noch einmal erleben. Sie wird dafür mit ihrer Sicherheit bezahlen. Am Morgen stellt Beth fest, dass Kate spurlos verschwunden ist. Die Frau wird alles tun, um ihre Freundin zu finden.
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Die Handlung lehnt sich an authentische Ereignisse an – die von Amanda Knox als Protagonistin – aber das Drehbuch basiert auf literarischer Fiktion. Das Drehbuch wurde nämlich von Sarah Alderson geschrieben, die damit ihr eigenes Buch Going away for the Weekend adaptierte. Sie hat lediglich die Handlung von Lissabon nach Kroatien verlegt, vermutlich aus Kostengründen. Wie ich bereits erwähnt habe, ist ‚Leaving…‘ ein unkomplizierter Film. Es ist ein klassischer Krimi der Krimis in dem der Protagonist versucht, herauszufinden, wer für das begangene Verbrechen verantwortlich ist, und die Filmemacher verwirren die Hinweise ständig, indem sie weitere Personen mit antagonistischen Zügen einführen. Etwa in der siebzigsten Minute des Films scheint das Rätsel gelöst zu sein. Weit gefehlt – neue Überraschungen und weitere erzählerische Wendungen warten auf den Zuschauer.
So kann man sich mit dem Thriller von Kim Farrant angenehm die Zeit vertreiben, aber nur, wenn man sich nicht auf eine große filmische Offenbarung einstellt. „The Weekend Away“ ist ein schematischer Thriller um eine Entführung und die Ermittlungen eines Amateurdetektivs; das Ganze hat die Qualitäten eines Fernsehfilms und weckt Assoziationen an „Circle of Initiates“ (2000) oder „Roommate“ (2011; ebenfalls mit Meester).
Eine der großen Stärken des Films ist seine sparsame Laufzeit. In einer Zeit, in der fast jeder abendfüllende Film schon über zwei Stunden laufen muss (selbst der neue „Ghostbusters“), ist es gut, wenn man auf eine leichte Unterhaltung stößt, die unter 90 Minuten verpackt ist. Die Handlung in „Going away for the weekend“ ist rasant, so dass dem Zuschauer keine Langeweile droht. Allerdings gibt es auch einige Nachteile: Die psychologische Entwicklung der Figuren ist lahm, und es gibt keinen Raum für tiefere Überlegungen (etwa zur Naivität oder Leichtgläubigkeit von Touristen in einem fremden Land). Die Endbewertung des Films wird sicherlich durch seinen schönen Drehort begünstigt: Der Film wurde in Split gedreht, einem beliebten Reiseziel für Polen, das in der Umarmung der Juli-Sonne wie das Paradies auf Erden wirkt.
Der malerische Urlaubsort, die überzeugende Meester in der Hauptrolle, die leichte, kriminelle Unterhaltung pünktlich zur Wochenendvorstellung – all das verleiht dem Film ein großes kommerzielles Potenzial. Kein Wunder, dass er sich auf dem Netflix-Dienst als Hit erwiesen hat.