

Max Karl Tilke/ foto: wikipedia.com
Max Karl Tilke, geboren am 6. Februar 1869 in Breslau, war ein hochbegabter deutscher Künstler der Weimarer Republik. Er war nicht nur Kostümbildner, Ethnograph, Historiker für Modedesign, Illustrator und Maler, sondern auch Kabarettist. Tilke verstarb am 2. August 1942 in Berlin.
Max Karl Tilke wurde in Breslau (Wrocław), Preußen, als Sohn des Buchhändlers Carl August Tilke und der Louise Halisch geboren. Im Alter von 17 Jahren schrieb er sich 1886 an der Preußischen Akademie der Künste ein. Im folgenden Jahr reiste Tilke nach Italien und ins französische Tunesien, wo sich sein künstlerisches Talent entfaltete. Nach seinem Abschluss an der Akademie arbeitete er als Dekorateur in Berlin und anschließend als Kopist am Museo del Prado in Madrid. Die Zeit im Ausland hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf die Entwicklung seiner Kunst. Im Jahr 1900 zog Tilke nach Paris, wo er als Illustrator arbeitete und sich mit seinen Kenntnissen historischer Kostüme Anerkennung verschaffte. Danach kehrte er nach Berlin zurück, wo er Werke zur Kostümgeschichte malte und von den Behörden und der High Society anerkannt wurde. Seine erste Sammlung wurde 1911 in der Lipperheider Kostümbibliothek des Kunstgewerbemuseums Berlin ausgestellt und fand so großen Anklang, dass sie mit staatlichen Mitteln angekauft wurde.
Als Tilke nach Deutschland zurückkehrte, gründete er am 1. Oktober 1901 das erste Kabarett in Berlin, bekannt als „Der hungrige Pegasus“. Es befand sich in einem winzigen Hinterzimmer des italienischen Lokals „Dalbelli“ an der Potsdamer Brücke. Charles Horning, Ernst Griebel, Erich Mühsam, Georg David Schulz, Hans Hyan, Hanns Heinz Ewers und Maria Eichhorn („Die Dolorosa“) gehörten zu den häufigen Gästen und Darstellern, die mit Sketchen, Melodien und Shows unterhielten. Ein halbes Jahr später beschloss Tilke, sich wieder ganz der Malerei zu widmen, und musste den Hungrigen Pegasus schließen.
1912 veröffentlichten Tilke und Magnus Hirschfeld die Publikation Die Transvestiten – eine Untersuchung über den erotischen Verkleidungstrieb mit umfangreichem kasuistischen und historischen Material (2. Auflage), in der es um Cross-Dressing ging. Tilke war für die Illustrationen verantwortlich und wurde auch von Hirschfeld über sein Leben und den Verkleidungstrieb interviewt; er identifizierte sich in dem Buch als Fall 6 („Herr F.“) und ist vermutlich die Person auf Foto XXIII in Der erotische Verkleidungstrieb.
Sein Freund Hanns Heinz Ewers verhalf Tilke 1913 zu einer Anstellung bei der „Deutschen BIOSCOP GmbH Filmgesellschaft“, die in Neubabelsberg/Berlin ansässig war. Er war für die Kostüme verantwortlich, zum Beispiel für den Film Kadra Sâfa (1914).
Aufgrund seines zunehmenden Ruhmes wurde der Zar von Russland auf Tilke aufmerksam und beauftragte ihn, am Kaukasusmuseum zu arbeiten. Dort sollte er die Kostüme aus der Sammlung des Museums malen und eine ethnologische Expedition durchführen, um die Sammlung zu erweitern. In den Jahren 1912 und 1913 arbeitete er als Professor im Museum.
Um seinen kreativen Ansatz in die Tat umzusetzen, fand Tilke eine Lösung, die ein Gleichgewicht zwischen Effizienz und Praktikabilität herstellte. Er fotografierte jedes Modell in Tracht, kaufte die Kostüme und malte dann die Bilder aus einer Kombination von Fotografien und Kostümen. Auf diese Weise entstanden Werke, die sich durch eine Mischung aus ethnologischer Genauigkeit und beeindruckender künstlerischer Detailtreue auszeichnen. Dennoch malte Tilke, wann immer möglich, direkt nach den Modellen.
Vor Beginn des Ersten Weltkriegs arbeitete Tilke an einem Projekt, das leider abgebrochen wurde. Daraufhin kehrte er nach Deutschland zurück und nahm einige seiner Kunstwerke mit. Während des Krieges war er beim Deutschen Verlag Union in Stuttgart angestellt und malte viele Werke mit Bezug zum Krieg. Seine Leidenschaft für Trachten blieb jedoch bestehen und er veröffentlichte mehrere Werke zu diesem Thema. Sein bekanntestes Werk, Orientalische Kostume in Schnitt und Farbe, wurde 1922 veröffentlicht. Leider verstarb Tilke in Berlin an einem Herzversagen.
1897 heiratete Tilke Anna Boelter, eine Näherin aus Berlin. Die beiden ließen sich vier Jahre später scheiden. 1906 heiratete Tilke die Dänin Christine Nielsen, von der er sich 1912 wieder scheiden ließ; aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Während des Interviews zum Fall Transvestiten sprach Tilke (bekannt als „Herr F“) über seine lebenslange Praxis des Cross-Dressing und seine intimen Erfahrungen mit beiden Geschlechtern.
Max Tilke wird sowohl von Künstlern als auch von Ethnographen aufgrund seines außergewöhnlichen Talents, seines breiten Spektrums an Aktivitäten und seiner außergewöhnlichen Handwerkskunst hoch geschätzt. Im Laufe der Jahre gewinnen diese Werke sogar noch an Wert, da immer weniger Menschen ihre traditionellen Gewänder tragen und sich mehr in westlicher Kleidung kleiden. Auf diese Weise erinnert Tilke mit seiner Kunst an eine lebendigere Zeit und zeugt von der Bedeutung einzelner ethnischer Gruppen. Tilke und Wolfgang Bruhn arbeiteten auch zusammen an A Pictorial History of Costume, das 1955 veröffentlicht und 1973 von Hastings House neu aufgelegt wurde. Darüber hinaus gab es mehrere Ausstellungen, die Tilkes Werk gewidmet waren, wie die im Georgischen Nationalmuseum in Tiflis, und eine große Sammlung seiner Bilder und Zeichnungen befindet sich in der Lipperheidischen Kostümbibliothek in Berlin.